Freitag, 22. April 2016















Gedenktag 8. Mai

Ein Beitrag von Karl Heinz Demmrich

Während ich diese Zeilen schreibe, kommt mir ein kleines schwarz-weißes Foto wieder in den Sinn. ca. 5 mal 5 Zentimeter, mit gezacktem Rand, wie es 1941 wohl Mode war. Es zeigt ein rohes Holzkreuz im Schnee. Onkel Hans. Mir damals Siebenjährigem kaum bekannt. Meine Großmutter las mir ein beiliegendes Schreiben vor: „In treuer Pflichterfüllung. Gefallen auf dem Felde der Ehre. Für Führer, Volk und Vaterland.“ Das war alles, was meinen Großeltern, seiner Frau und seinen drei Schwestern an Erinnerung geblieben war.

Das Holzkreuz stand am Ladogasee, unweit vom damaligen Leningrad (heute St. Petersburg), das über 800 Tage von der deutschen Wehrmacht belagert wurde. Über eine Million Bewohner starben durch Bomben, Granaten, Krankheiten, Hunger und Kälte. Erst einige Jahre später wurde mir das Grauenhafte der deutschen Kriegführung bewusst und ich erinnerte mich an eine Begebenheit, die sich 1945 in unserem Wohnzimmer in meiner Heimatstadt (SBZ) zutrug. In unserem Kinderzimmer wurden zwei russische junge Soldaten einquartiert. Sie spielten mit uns Kindern und versorgten uns mit weißem Speck. Eine Tages kamen sie ins Wohnzimmer und entdeckten das Foto des deutschen Soldaten an der Wand und den Trauerflor. Der Eine stieß ein erfreutes „Prima, prima“ aus, wurde aber sofort von seinem Kameraden in harschem Ton zur Ordnung gerufen. Darauf verharrten beide eine Weile ernst vor dem Bild, salutierten und schlugen ein Kreuz. Russische „Untermenschen“, wie sie von der Nazipropaganda bezeichnet wurden, erwiesen ihrem toten Feind die Ehre.

Und ein Drittes hat sich in meinem Gedächtnis unauslöschlich eingegraben, die mutige Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäckers vor dem deutschen Bundestag zum Gedenken an den 8. Mai 1945. Er sprach vom „Tag der Befreiung“. Diese drei Ereignisse gehören für mich zusammen. Der sinnlose Tod meines Onkels in einem Krieg der 60 Millionen Tode forderte, das Verhalten der zwei russischen Soldaten und das Bekenntnis des damaligen Bundespräsidenten. Sie haben meine Einstellung bestimmt – bis heute. Und schon zündeln sie wieder. Ein amerikanischer Nato-General will 200 Kampfpanzer und 1750 Lastwagen samt Kampftruppen an der estländisch-russischen Grenze stationieren. Russland schickt zwei Divisionen an seine Grenze. Bis zum Ladogasee und St. Petersburg sind es nur 150 Kilometer.
Der 8. Mai sollte für alle ein Gedenktag sein. Er eignet sich nicht für einen verspäteten Fastnachtszug! Ich selbst werde an diesem Tag Seligenstadt meiden.

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Kriegsende in Deutschland und Berlin

Von Hans-Jürgen Heyne

Der 8. Mai, soll dieser Tag ein offizieller Gedenktag werden? 

In Mecklenburg-Vorpommern wurde es im Jahr 2002 bereits verwirklicht. In den restlichen Bundesländern denkt die Politik noch darüber nach. Es geht dabei nicht um einen arbeitsfreien Tag, sondern um einen Gedenktag. Zum Gedenken an die vielen Kriegstoten, die Soldaten, die Zivilbevölkerung, die vielen Verwundeten und vermissten Menschen aller beteiligten Nationen.

Und wie wird dieser Gedenktag in Seligenstadt begangen?

An diesem Tag feiern wir „Fastnacht“ mit fast allem „DRUM und DRAN“. Haben die verantwortlichen „Fastnachter“ und die „Politiker“ von dem Datum keine Ahnung gehabt? Das wäre natürlich sehr traurig. Oder war es den Honoratioren sche... egal was an diesem Datum vor 71 Jahren geschah? Weiterhin feiern die evangelischen Christen ihre Konfirmation in unserer Stadt. Etwas mehr „Fingerspitzengefühl“ hätte den „Fastnachts-Machern“ gut getan.

Dann rufen wir doch zum Kriegs-Gedenktag am 8. Mai auf unser 
 „HEILES  STÄDTCHEN  SELIGENSTADT“ ein dreifaches kräftiges:  

„HELLAU – HELLAU - HELLAU“
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